Kunst will nicht nur betrachtet, sondern gelebt werden. UNBOUND ist eine lebendige Plattform, die dazu einlädt, Zugehörigkeit durch die Kunst neu zu denken. So kommen Künstlerinnen und Künstler, kreative Praktiken und Begegnungen, die etwas bedeuten, zusammen, getragen von Natur, Raum, Zeit und Erinnerung.
Mit jeder Saison eröffnen neue Themen und neue Stimmen eine tiefere Art, zu sehen, zu fühlen und dazuzugehören.
„Wir arbeiten inmitten von so viel Lärm: Motoren, Verkehr, alles andere. Und wie jeder von uns tragen wir so viele Rollen mit uns herum: Vater, Partner und ein Dutzend weitere. Für einen Künstler ist die Stille vor allem das, was einen von diesen Rollen befreit. In ihr versteht man endlich, wer man wirklich ist.“
Deshalb hat er sich entschieden, hier zu zeichnen. „Befreit von jeder Rolle frage ich mich: Was war ich? Was kommt aus mir heraus, wenn ich Ozan gehen lasse? Deshalb liebe ich die Stille hier.“
Was ihn berührte, war eine Landschaft, die so belassen wurde, wie sie ist: keine inszenierte Kulisse, nur Orte zum Leben, zum Essen und zum Schwimmen, die sich nach dem Gelände richten. „Die Natur ist nicht verschandelt worden. Niemand hat gesagt: Fällen wir fünf Bäume und bauen noch ein Zimmer dazu. Am Ende gehören wir alle zur Natur, und die Natur gibt einem schon alles, was man braucht.“
„Am meisten ringe ich damit, dass ich das Tempo des Lebens nie mit meinem eigenen inneren Tempo in Einklang bringen kann. Ständig prasseln Reize auf uns ein, wir sorgen uns um tausend Dinge. Hier ist das Leben viel echter: Hat man Hunger, isst man; hat man Durst, trinkt man; ist man müde, schläft man. Man verfügt selbst über seine Zeit, allenfalls richtet man sich nach dem, was die Natur entscheidet. Nicht unterbrochen zu werden, ist eine echte Form von Leichtigkeit.“
Für den Bildhauer Ozan Ünal ist Inspiration der Beginn einer Reise von der Intuition zur Form. Eine Skulptur braucht keine Worte: Es genügen ihre Haltung, ihre Bewegung, manchmal schon ihre bloße Gegenwart. Wenn die Form zum Ausdruck der Intuition wird, die sie inspiriert hat, beginnt die Skulptur zu sprechen.
Sein Aufenthalt endet nicht mit einem Abschied, sondern mit einem Versprechen: „Ich nehme das Gefühl mit, deshalb möchte ich alles, was ich hier gezeichnet habe, hier lassen. Die Skulptur forme ich in meinem Atelier, und gemeinsam bringen wir sie zurück und stellen sie an ihren Platz.“
Opus I, für das Perdue geschaffen, markiert den Beginn eines künstlerischen Vermächtnisses, in dem jede Künstlerin und jeder Künstler eine unverwechselbare Spur hinterlässt und Teil einer Geschichte wird, die weiterwächst.
Für Beril Ateş ist Stille ein Zustand, in dem man sich von der Außenwelt löst und einfach bei sich selbst ist, eine Art, in der Zeit selbst anzukommen. Im Perdue fand sie diese Stille in einer Landschaft, die ständig in Bewegung ist: Die Wellen verändern sich, das Licht wandert, die Farben fließen ineinander, doch die Felsen bleiben.
Die Risse und Höhlungen der Felsen wurden zu ihrer Quelle: Spuren, von der Zeit geformt, die ein stilles Ausharren, Annahme und Zugehörigkeit in sich tragen, Zeichen, die sie als die Spur liest, die die Liebe hinterlässt. Auf diesem alten lykischen Land, einst matriarchalisch geprägter Boden, erzählten ihr dieselben Höhlungen von einer weiblichen Energie, die im Stein bewahrt ist.
Schon die Einladung selbst, sagt sie, sei das Geschenk: ein Thema, mit dem man denken kann, und ein Weg hinaus aus der Hast des Alltags. „Das Perdue war für mich ein Zustand des Einklangs, wie die Harmonie von Wasser und Fels. Es wurde zu einem Ort, an dem ich mich selbst gefunden habe.“
Während UNBOUND die Arbeit eines Artist in Residence begleitet, legen die Ateliers das Handwerk in Ihre eigenen Hände. Das erste Kapitel: die japanische Kunst, Zerbrochenes mit Gold wieder zusammenzufügen.
Zur GeschichteUNBOUND setzt sich das ganze Jahr über fort, mit neuen Künstlerinnen und Künstlern, neuen Werken und neuen Arten des Zuhörens. Die bisherige Geschichte lebt im Perdue: im Stein, in der Form, in der Stille.
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